Der Europaradweg in Sachsen-Anhalt
Etappenübersicht

Etappe 1: Ilsenburg-Thale

Nationalpark. Bunt. Sagenhaft.

Zahlreiche Sehenswürdigkeiten laden am Wegesrand dieser 36 Etappen-Kilometer zu einem Besuch ein. Dominiert wird die Gegend vom 1.141 Meter hohen Brocken. Umgeben wird er vom Nationalpark Harz, der sich über ca. 25 ha erstreckt und 900 Höhenmeter überwindet. Der Brocken wird auch „Blocksberg“ genannt. Der höchste Berg im Norden Deutschlands, mit alpinem Klima, beeindruckte bereits Goethe und Heine. Das Brockenplateau erreicht man z. B. über den Heinrich-Heine-Weg ab Ilsenburg.

 

Die Legende von der schönen Ilse

Es war einmal eine Königstochter namens Ilse, die dem tapferen Ritter Ralf versprochen war. Gern ging Ilse in den Harzwäldern spazieren. Eines Tages verirrte sie sich und wurde von der Bergkönigin aufgenommen und in einen prachtvollen Kristallpalast geführt. Dort blieb sie ein Jahr. Weil aber die Sehnsucht so groß war, bat Ilse um Rückkehr nach Hause. Ilse musste der Königin versprechen, niemanden von dem unterirdischen Reich zu berichten. Sie versprach dies und durfte wieder zu ihrem Geliebten zurück. Dieser aber fragte, wo sie ein Jahr lang gewesen sei. Irgendwann erweichte ihr Herz und sie erzählte ihm von der sagenhaften Bergwelt. Das wiedervereinte Paar schlief über die Erzählungen hinweg ein. Als er erwachte und seine liebliche Königstochter umarmen wollte, da sah er statt ihr – einen frischen, sprudelnden Quell. Das Wasser sprang lustig hervor und plätschert noch heute…

Das Ilsetal, die Stadt selbst und das Kloster Ilsenburg laden zum Verweilen ein. Folgt man der Route, so ist schon von weitem das Schloss der „Bunten Stadt am Harz“ Wernigerode sichtbar. Dessen markantes Rathaus und die aufwendig sanierten Fachwerkhäuser im historischen Stadtkern zeigen unter anderem, wie „bunt“ die Stadt tatsächlich ist. Das schiefe, das kleinste oder das älteste Haus bieten sehenswerte Besonderheiten der reichen Fachwerkidylle. Im Bürgerpark Wernigerode können Sie den Harz im Kleinformat bestaunen. Der Miniaturenpark „Kleiner Harz“ präsentiert 50 Modelle von verschiedenen Bauwerken des Harzes. Entlang des R1 sind mit ihren Gärten auch die Klöster Drübeck und Michaelstein sowie die Schlossgärten, die Burg Regenstein und die Teufelsmauer bei Blankenburg sehenswert. Das Ziel der Etappe ist Thale.

 

Romanik und Gartenkunst im Kloster Drübeck

Weithin sichtbare Türme, beeindruckende Gewölbe und wunderbare Gärten laden in das Kloster Drübeck ein. Es gehört mit seiner Klosterkirche St. Vitus und den Klostergärten zu Sachsen-Anhalts Tourismusprojekten „Straße der Romanik“ und „Gartenträume“ und zählt zu den ältesten Klostergründungen Mitteldeutschlands.

Der Sage nach erfüllte dort eine verwunschene Prinzessin ihr Gelübde:
„Wo sich drei Bäche begegnen, die Stelle will ich segnen. Da will ein Haus ich bauen für fromme, stille Frauen“. Im Harzwald fündig geworden, beschloss die Prinzessin ihr Gelübde zu erfüllen. Sie selbst wollte als Nonne dort einziehen. Baumeister schufen die Klosterkirche mit dem Doppelturm. Ein böser Zauberer soll die schöne Prinzessin mit einem Schweinerüssel anstatt eines Mundes verunstaltet haben. Daher wollte sie zurückgezogen leben. Ein Edelmann, der sich unsterblich in sie verliebt hatte, schlich sich in ihre Gemächer und als er den Rüssel sah, schrie er auf. Entsetzt fiel die Prinzessin tot um. Mitleid überfiel den Edelmann und er küsste den übelgestalteten Mund. Da geschah ein Wunder: Der Rüssel verschwand und ein lieblicher Mund war an seiner Stelle. Ein Bild im Giebel der Klosterkirche zeugt von der Prinzessin mit dem „Schweinerüssel“.

Tatsächlich lebten in Drübeck über 1100 Jahre lang Frauen in einer Gemeinschaft. Im Zuge der Reformation säkularisiert, blieb es als evangelisches Damenstift erhalten und ging später in den Besitz der Grafen zu Stolberg-Wernigerode über. Ab Anfang des 20. Jahrhunderts erfolgte eine Neuorientierung des Damenstifts auf soziale Tätigkeiten. Heute beherbergen die historischen Bauten eine Tagungsstätte der evangelischen Kirche in Mitteldeutschland mit einem pädagogisch-theologischen Institut, einem Haus der Stille, einem Pastoralkolleg und einem Medienzentrum. Das Gelände ist umgeben von den fünf verschiedenen  Klostergärten. Der Klosterhof mit der 270-jährigen Sommerlinde lädt zu einer Entdeckungsreise in die Klostergeschichte ein. Im ehemaligen Gärtnerhaus bietet das Kloster-Café einen Gästen Genuss bei duftendem Kaffee, köstlichem Eis oder frisch gebackenem Kuchen und am Abend als Weinstube bei einem guten Tropfen.

 

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Etappe 2: Thale-Gatersleben (Seeland)

Harz. Romanik. Anhalt.

Die Etappe Thale-Gatersleben bietet vielerlei Gründe, die Route vorübergehend zu verlassen, um die Region zu entdecken. Schroffe Granitfelsen, Mischwälder und das wildromantische Bodetal laden im Harz zu verschiedenen Aktivitäten ein. Los geht es im Bodetal, dessen Bikearena für Pedalritter aller Art etwas zu bieten hat: für Familien einen gemütlichen Ausflug mit dem Rad, für Sportler Rennradtouren durch die Berge, für Offroader spannende Mountainbike-Erlebnisse und für  Adrenalinjunkies eine rasante Fahrt auf der Downhillstrecke von der Rosstrappe hinab ins Tal.


 Die Rosstrappe gilt als eine der großartigsten Felspartien nördlich der Alpen. Zahlreiche Sagen und Mythen ranken sich um die legendäre Vertiefung, die einem riesigen Hufabdruck ähnelt. Die bekannteste Sage erzählt vom Riesen Bodo, vor dem sich die reitende Prinzessin Brunhilde mit einem gewagten Sprung über die tiefe Schlucht auf den gegenüberliegenden Felsen rettete. Dort hinterließ der Aufprall des Pferdehufes einen tiefen Abdruck im Fels, der daher „Roßtrappe“ heißt.

Eine andere Geschichte erzählt Sachsen-Anhalts „Straße der Romanik“. In Form einer Acht zieht sie sich durch das Land, führt in 65 Orten zu 80 Klöstern, Domen, Dorfkirchen, Burgen und Schlössern. Vom Europaradweg aus gut erreichbar sind zum Beispiel bedeutende romanische Bauwerke, wie die Stiftskirche St. Cyriakus Gernrode – nahezu unverändert aus ottonischer Zeit stammend mit einer Nachbildung des Heiligen Grabes – oder die Stiftskirche St. Servatius in der Weltkulturerbestadt Quedlinburg. Entlang der „Roseburg“ bei Rieder mit ihrem märchenhaften Park erreicht man das Schloss Ballenstedt mit der Klosterkirche und der Grablege „Albrecht des Bären“. Ballenstedt gilt als Wiege Anhalts, denn die Burg Anhalt, die sich Ballenstedter Grafen im Selketal erbauen ließen, gaben dem  Fürstenhaus seinen Namen. Weiter geht es nach Meisdorf, wo das liebliche Selketal, die Burg Falkenstein und der Landschaftspark Degenershausen locken. Vorbei  an der romanischen Konradsburg Ermsleben erreicht man die Stadt Seeland. Teile des heutigen Stadtgebiets Seeland waren bis zur Trockenlegung Bestandteil des großen Aschersleber Sees. Im Zuge der Rekultivierung dieses Gebietes entstand eine großzügige Wasser- und Naherholungslandschaft.

Von hier aus lohnt auch ein Ausflug in die „Neo-Rauch-Stadt Aschersleben“.

 

Schön, geistreich und berühmt – Quedlinburger Stiftsfrauen

Den Ruhm Quedlinburgs als Königspfalz der Ottonen begründeten zwar Männer, doch ihre Frauen und Töchter schrieben die Geschichte. Nach dem Tod Heinrich I. erwirkte Mathilde von ihrem Sohn Otto I. die Gründung eines Damenstiftes. Mit einer kleinen Geschichte möchten wir Sie neugierig machen:

Ende des 17. Jahrhunderts zogen mit der einstigen Mätresse des Sachsen-Königs August dem Starken Marie Aurora Gräfin von Königsmarck (1662– 1728) Eleganz und Esprit im Stift Quedlinburg ein. Für Voltaire war sie „die berühmteste Frau zweier Jahrhunderte“. Durch ihr Engagement und diplomatisches Geschick gelang es ihr, als Pröbstin gewählt zu werden. Ein weiterer Aufstieg zur Äbtissin wurde ihr durch verschiedene Stiftsdamen verwehrt. Die geistreiche und charmante Aurora unternahm viele Reisen und pflegte Beziehungen nach Italien, Frankreich und in verschiedene deutsche Herrscherhäuser. Der Ruf ihrer Schönheit überdauerte sogar ihren Tod. Als die Särge in der Fürstengruft der Quedlinburger Stiftskirche einmal geöffnet wurden, soll an der mumifizierten Leiche Auroras deren einstige Schönheit noch erkennbar gewesen sein. Erst Rosen, die ihr Besucher auf die Brust legten, drohten der toten Schönen zum Verhängnis zu werden. Mit den Blumen gelangten Insekten auf die Mumie und begannen ihr zerstörerisches Werk. Ihren längst wieder geschlossenen Sarg aber können Sie beim Besuch der Stiftskirche in der Fürstengruft nach wie vor sehen und in der Krypta, der Grabstätte König Heinrich I. und seiner Gemahlin Mathilde, auch die Grabplatten der Quedlinburger Äbtissinnen. Quedlinburgs gesamtes architektonisches Erbe gehört zum UNESCO-Welterbe und macht die Stadt zu einem der größten Flächendenkmale in Deutschland.

Abstecher nach Quedlinburg: R1 bei Neinstedt nach Norden > Neinstedter Anstalten > Bahnübergang und L 92 > unter Brücke > Aller-Harz- Radweg > Quedlinburg > Aller-Harz-Radweg > Quarmbeck > Bückemühle > R1 bei Gernrode

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Etappe 3: Gatersleben (Seeland)-Bernburg (Saale)

Seen. Salze. Schlösser.

Herrliche Aussichten auf das Harzer Seeland, das aus einem alten Braunkohletagebau entstand, bieten sich auf dem Europaradweg R1 bei Hoym, Nachterstedt und Gatersleben. Aber auch schon lange Zeit davor war hier ein Seengebiet. Die Geschichte und Zukunft gibt heute einer ganzen Stadt den Namen. Neben Concordia- und Königsauer See sind auch der Löderburger und der Schachtsee Neugattersleben Folgen intensiven Bergbaus in der Region.


Ein weiterer unterirdischer Schatz ist das Salz, das im Salzlandkreis an verschiedenen Orten abgebaut und genutzt wird. Staßfurt, in dessen Natursolebad das Wasser so salzig wie Meerwasser ist, gilt weltweit als Wiege des Kalibergbaus. Im nicht weit entfernten Bernburg (Saale) werden aus großer Tiefe nach wie vor  salzige Kristalle geborgen. Sie tauen im Winter Eis und Schnee, enthärten Wasser, würzen Speisen, werden in der Chemie und Pharmazie genutzt.

Auf dem Weg vom Harzer Seeland zum Bernburger Salz treffen Sie auf architektonische Spuren der Fürsten von Anhalt und anderer Adliger. In Hoym erinnert  ein Schloss an die Zeit als einstige Residenzstadt des Fürstentums Anhalt-Bernburg-Hoym. Fürstin Gisela Agnes von  Anhalt-Köthen bestimmte als „Reichsgräfin von Nienburg“ Schloss Nienburg zu ihrem Witwensitz, wo ihr Sohn Johann Sebastian Bach kennenlernte und den Musiker als Kapellmeister nach Köthen-Anhalt verpflichtete. Die Fürsten zu Anhalt-Bernburg residierten hoch über der Saale in Bernburg. Von der herrschaftlichen Bedeutung der heutigen Kreisstadt künden das gewaltige Schloss mit Eulenspiegelturm und Schlosskirche samt Fürstengruft, aber auch das prächtige Neorenaissance-Rathaus und eine liebevoll sanierte Altstadt.

Bedeutende Sakralbauten wie die Stiftskirche St. Cyriakus in Frose, die ehemalige Klosterkirche in Hecklingen mit romanischer Stuckplastik von europäischem Rang und die gut erhaltene tausendjährige Klosterkirche in Nienburg entführen ins Hochmittelalter und gehören als Gesamtbauwerk oder mit einzelnen Bestandteilen zu den Standorten der „Straße der Romanik“. Die Klosterkirche Nienburg z. B. ist eines der bedeutendsten frühgotischen Bauwerke im mitteldeutschen Raum mit romanischem Mosaikfußboden.

 

Genuss für alle Sinne auf Schloss Hohenerxleben

Hoch über der Bode auf einem Kalkfelsen stehend, lädt Schloss Hohenerxleben zu Einkehr & Begegnung, Kultur & Bildung, Natur, Genuss & Erholung ein. Eine Stiftung führt dort „in der Verbindung aus Ost und West, alter Familientradition und neuen, kulturellen Werten und dem achtungsvollen Zusammenleben verschiedener Kulturen und Generationen“ ein offenes Haus. Die gemeinnützige Schloss Theatrum Herberge Hohenerxleben Stiftung rettet seit 1997 das  Baudenkmal vor weiterem Verfall und haucht dem altehrwürdigen Gemäuer, dessen heutige Gestalt hauptsächlich im 18. und 19. Jahrhundert geprägt wurde, neues Leben ein.

So gibt es festliche Konzerte und vielfältiges Kammertheater, individuell gestaltete Zimmer in der Schlossherberge im Ostflügel und in einem Raum aus den Gründerjahren, in dem alte Holztäfelungen für ein historisches Ambiente sorgen, erlesene Speisen und Getränke. Das Ensemble Theatrum ist ein fester Bestandteil der Schloss Theatrum Herberge Hohenerxleben Stiftung und dem Wiederaufbau des Schlosses mit verpflichtet. Seine festen Mitglieder sind  professionelle Künstler, die unter Leitung von Friederike von Krosigk eine Kulturstätte mit festem Spielbetrieb im Schloss gestalten.

Mit der Tänzerin und Musikerin Friederike von Krosigk wird die Tradition des Namens von Krosigk in Hohenerxleben gewahrt. Dem alten Adelsgeschlecht von Krosigk mit früher zahlreichen Besitztümern in Anhalt und Nachbargebieten gehörte über einige Jahrhunderte auch das 1205 erstmals urkundlich erwähnte Schloss Hohenerxleben. Die Familie ließ die Kirche sowie große Teile des Dorfes errichten und das Schloss umbauen. Im Zuge der Bodenreform wurde sie enteignet und das  Schloss zeitweise als Schulungsort genutzt.

Der Europaradweg R1 führt direkt durch den etwa neun Hektar großen Schlosspark, der im 19. Jahrhundert im englischen Landschaftsstil entstand und fast 200  Jahre alte Stieleichen als besondere Naturdenkmale in seinem Bestand hat.

 

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Etappe 4: Bernburg (Saale)-Dessau-Roßlau

Bernburger Bär. Bach. Bauhaus.

Durch eine der ältesten und kleinsten Kulturlandschaften Deutschlands führt die Etappe von Bernburg nach Dessau, in der mehrere Fürstenhäuser ihre Spuren hinterlassen haben. Das einstige Fürsten- und Herzogtum sowie der Freistaat Anhalt gaben dem heutigen Bindestrichland Sachsen-Anhalt seinen Namensteil. Die Menschen, die zwischen der Mosigkauer und der Dübener Heide lebten, setzten im Laufe von acht Jahrhunderten über die Region hinausreichende Impulse.


Vom einst adligen Glanz zeugt auf einem hohen Sandsteinfelsen in der Saalestadt Bernburg ein prächtiges Renaissanceschloss, die „Krone Anhalts“. Das vollständig erhaltene Residenz- und Wohnschloss der Fürsten und späteren Herzöge von Anhalt-Bernburg erhielt im 16. Jahrhundert sein heutiges Antlitz. Der schon aus dem 12. Jahrhundert stammende Bergfried trägt den Beinamen „Eulenspiegelturm“, da der berühmte Schalk Till Eulenspiegel auf Schloss Bernburg einst Turmwächter gewesen sein soll. Im ehemaligen Burggraben leben seit Mitte des 19. Jahrhunderts Generationen  von Braunbären. Der Bär ist in Anhalt das Symboltier. Er ziert stolz das Wappen hiesiger Städte und auch das des Landes Sachsen-Anhalt.

Der musisch begabte Fürst Leopold von Anhalt-Köthen holte den bekanntesten und bedeutendsten Virtuosen der Barockzeit, Johann Sebastian Bach, an seinen Hof. In der schönen Stadt in Anhalt verbrachte der große Musiker von 1717 bis 1723 als Kapellmeister die wohl kreativste Zeit seines Lebens. In Köthen entstanden die Brandenburgischen Konzerte, Sonaten für Violine, Suiten für Violoncello, Französische und Englische Suiten und das Wohltemperierte Clavier I.

1821 ging Samuel  Hahnemann als herzoglicher Leibarzt nach Köthen, wo ihm erstmalig das Dispensierrecht als Privileg eingeräumt wurde. Neben seinen Forschungen durfte er damit auch die Medizin selbst herstellen. Sein Wohnhaus, die Ausstellung im Schloss und die Europäische Bibliothek für Homöopathie zeugen  heute von den 13 Jahren seines wissenschaftlichen Wirkens in Köthen.

In der Johanniskirche Dessau sowie in der Agnuskirche in Köthen befinden sich zwei deckungsgleiche Fassungen von jenem Abendmahl von Lucas Cranach d. J. Als Jünger Jesu aufgereiht finden sich hier reale Personen aus der Reformationszeit, darunter neben Martin Luther und Philipp Melanchthon auch der erste evangelische Bischof und Fürst von Anhalt, Georg III.

 

Schloss Mosigkau - Perle des Rokoko im Gartenreich

Der wohl berühmteste Anhaltiner, Fürst Leopold I. von Anhalt-Dessau, ging als „Der Alte Dessauer“ mit einem Faible für Drill, Exerzieren, Gehorsam und Tapferkeit in die Geschichte ein. Doch der preußische Generalfeldmarschall war auch ein liebevoller und besorgter Vater. Seiner Lieblingstochter Anna Wilhelmine schenkte er zwei Güter in Mosigkau, deren Einnahmen ihr wirtschaftliche Unabhängigkeit ermöglichten. Die Prinzessin ließ sich dort einen Sommersitz errichten.

Schloss Mosigkau zählt zu den letzten weitgehend erhaltenen Rokokoensembles Mitteldeutschlands. Den Höhepunkt der innerhalb des Schlosses zu besichtigenden Räume bietet der Galeriesaal mit einer wunderbaren Gemäldesammlung. Vor den hohen Fenstern des Galeriesaales liegt der kleine Lustgarten mit im Sommer farbenfrohem Blumen-Parterre und exotischen Kübelpflanzen, Heckenpartien mit Kegelbahnlaube, einem Fischteich und einem Irrgarten. Zwei wie Torhäuser am südlichen Zugang gelegene Orangerien beherbergen die zum Teil jahrhundertealten Kübelpflanzen.

 

Bauhausstadt Dessau-Roßlau

Die Stadt Dessau-Roßlau und ihre Umgebung ist für Kultur- und Naturfreunde gleichermaßen ein lohnendes Reiseziel. Gleich mehrere UNESCO-Welterbestätten, wie das Bauhaus, eine Ikone der Moderne, und das Gartenreich Dessau-Wörlitz mit seinen einzigartigen Schlössern und Parkanlagen, liegen auf engem Raum  beieinander.

Der gesamte Landstrich, von Wiesen und Wäldern an den Flüssen Elbe und Mulde geprägt, wurde von der UNESCO als Biosphärenreservat Mittelelbe unter Schutz gestellt.

Die Geschichte von Dessau ist untrennbar mit vielen großen Namen verbunden. Kurt Weill, Wilhelm Müller und Moses Mendelssohn wurden hier geboren. Technikfreunde können im Technikmuseum Hugo Junkers eine JU 52 bestaunen, Theater- und Musikliebhaber sind herzlich eingeladen, das Anhaltische Theater  oder das jährlich stattfindende Kurt Weill Fest zu besuchen. Nicht zu vergessen Walter Gropius, der 1925/26 in Dessau nicht nur das berühmte Bauhausgebäude errichten ließ, sondern auch die kleine Siedlung der Meisterhäuser, in der Künstler wie Paul Klee, Wassily Kandinsky und Lyonel Feininger lebten und arbeiteten.

Seit 1996 gehören das Bauhaus und die Meisterhäuser zum UNESCO-Weltkulturerbe. 1994–2001 erhielten die zu DDR-Zeiten stark verfallenen und umgebauten  Meisterhäuser Klee, Kandinsky und Schlemmer nach Rekonstruktion ihr Gesicht zurück. Aber jahrelang wurde darüber gestritten, ob und wie die kriegszerstörten Häuser Gropius und Moholy-Nagy wieder aufzubauen wären. 2010 wurde beschlossen, diese Meisterhäuser nicht 1:1 wieder zu errichten, sondern mit den Mitteln  der zeitgenössischen Architektur zu rekon struieren. So sind sie nun in einer innovativen Reduktion und in Abstraktion des Ursprungbaus wieder entstanden. Über  das Bauhausgebäude und die Meisterhäuser hinaus sind weitere historische Bauhausbauten über das ganze Dessauer Stadtgebiet verteilt.

 

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Etappe 5: Dessau-Roßlau-Lutherstadt Wittenberg

Luther. Bauhaus. Gartenreich.

Von Dessau-Roßlau nach Lutherstadt Wittenberg kommen Sie auf dem R1 an weltweit einzigartigen historischen Schauplätzen und herausragenden Natur- und Kunstschätzen vorbei, reihen sich hier doch drei UNESCO-Weltkulturerbestätten aneinander, teils eingebettet in das UNESCO-Biosphärenreservat Mittelelbe. Es  erhielt 1979 als einer der ersten Naturräume in Deutschland diesen Status.


Dem Gartenreich Dessau-Wörlitz verleihen weitläufige Anlagen an Elbe und Mulde den Charakter eines Parks von unendlicher Weite. Gestaltet von Fürst Leopold dem III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau entstand im 18. Jahrhundert eine künstlerisch aufgewertete Landschaft, die ganz im Sinne ihres Schöpfers das "Schöne mit dem Nützlichen“ verbindet, Erholung, Bildung und Kunst bietet. Sechs Schloss- und sieben Parkanlagen, die geprägt sind von der Aufklärung und englischer Gartenbaukunst, gehören zum Gartenreich Dessau-Wörlitz, das seit 2000 Teil des Weltkulturerbes der UNESCO ist.

Bereits seit 1996 sind das Bauhausgebäude und die Meisterhäuser in Dessau UNESCO-Welterbe. Das Bauhaus, ein Leuchtturm der Moderne, beherbergte die bedeutendste Hochschule für Architektur, Kunst und Design des 20. Jahrhunderts. 2019 wird das Bauhaus 100 Jahre alt und begeht 2026 seine 100-jährige Geschichte in Dessau.

Lange vor den Bauhäuslern kam Martin Luther regelmäßig und gern nach Dessau, wo er in der Kirche St. Marien predigte. Wie hier hinterließ der große Reformator seine Spuren überall in der Region, die deutlichsten in Wittenberg. Am 31. Oktober 1517 hat er dort seine Thesen an der Schlosskirche veröffentlicht und damit die evangelische Kirche begründet. Bis 2017, zum 500. Jahrestag der Reformation, werden die UNESCO-Welterbestätten Stadtkirche, Schlosskirche, Lutherhaus und Melanchthonhaus in Wittenberg herausgeputzt. Einem Bummel durch ein Stück Weltgeschichte gleicht schon jetzt die historische Meile von der Thesentür, vorbei an  den Cranachhöfen bis zum Lutherhaus – dem größten reformationsgeschichtlichen Museum der Welt.

www.luther-bauhaus-gartenreich.de

 


KOHLE | DAMPF | LICHT | SEEN

Kraftwerk Vockerode – Meisterleistung des Industriebaus

Im Gartenreich Dessau-Wörlitz ist ein Koloss aus Stein weithin sichtbar – das Kraftwerk Vockerode, seit 1994 aber außer Betrieb. Wie ein gewaltiger Dampfer scheint es an der Elbe vor Anker zu liegen. Mit seiner strengen, zweckorientierten Formensprache und der harmonischen Staffelung seiner Gebäudeteile gilt es als Klassiker und Meisterleistung des Industriebaus aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das Kesselhaus erreicht mit 117 Metern Länge, 41 Metern Breite und 40  Metern Höhe die Ausmaße einer gotischen Kathedrale.

Das Kraftwerk Vockerode ist Teil der Erlebnisroute KOHLE | DAMPF | LICHT | SEEN. Zwischen Lutherstadt Wittenberg und Markkleeberg zeugen insgesamt 23  Stationen der Route vom größten Strukturwandel der deutschen Wirtschaft und laden ein zu einer spannenden Entdeckungsreise. Denn dort, wo aufgrund von  Braunkohleabbau und chemischer Industrie bis zum Ende der DDR noch ökologische Notstandsgebiete waren, sind seit 1989 aufgrund umfangreicher Sanierungen touristisch hochinteressante Erholungslandschaften mit einmaligen Zeugnissen der Industriegeschichte entstanden. So geben Werkssiedlungen einen Einblick in das Wohnen Anfang des 20. Jahrhunderts, ehemalige Kraftwerke sind lebendige Museen der Energiegewinnung, imposante Open-Air-Museen ermöglichen Industriegeschichte zum Anfassen und zahlreiche Bergbaufolgeseen der Region laden zur Erkundung der Natur und zur Naherholung ein.

Die KOHLE | DAMPF | LICHT – Radroute verbindet auf über 120 km gut ausgebauten und ausgeschilderten Radwegen den Großteil der Erlebnisstationen miteinander. Neben den Themen „Industrie, Geschichte und Natur“ wird auch die „Energiezukunft“ sukzessive in die Route eingebunden. So sollen neue Stationen entstehen, an denen die Energiewende hautnah erlebt werden kann.

www.kohle-dampf-licht.de

 


Lutherstadt Wittenberg – Begegnung mit Luther und Cranach

Luther 2017: 500 Jahre Reformation

Ob Religion, Kunst, Sprache oder Ökonomie, in vielen Bereichen des Lebens hat nach dem Thesenanschlag Luthers am 31. Oktober 1517 der Geist der Reformation Einzug gehalten. 2017 feiern evangelische Christen aus aller Welt das 500. Jubiläum dieses weltgeschichtlichen Momentes. Wittenberg ehrt Luther jährlich mit dem Fest „Luthers Hochzeit“ sowie dem Reformationsfest.

Im Jahr 2008, 500 Jahre nach der Ankunft Luthers in Wittenberg, wurde die Lutherdekade eingeläutet, die mit zahlreichen Veranstaltungen auf die Feierlichkeiten des Jubiläumsjahres 2017 hinführt. 

Wichtigste Veranstaltungen 2017:

  • Nationale Sonderausstellung Augusteum/Lutherhaus Wittenberg, April–November 2017
  • Europäischer Stationenweg, November 2016–Mai 2017
  • Deutscher Evangelischer Kirchentag, 25.–28. Mai 2017 in Berlin und Wittenberg
  • „Kirchentag auf dem Weg“, 25.–27. Mai 2017
  • Festgottesdienst in Wittenberg, am 28. Mai 2017
  • Weltausstellung der Reformation in Wittenberg von Mai bis September 2017
  • Konfirmanden- und Jugendcamps Juni–September 2017

www.luther2017.de

 

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Etappe 6: Lutherstadt Wittenberg-Fläming

Flamen prägten Landschaften und Sakralbauten im Fläming

„Blühende Landschaften“ im Osten entstanden schon Jahrhunderte vor der deutschen Wiedervereinigung. Geschaffen wurden sie von Siedlern aus Holland und Flandern, die im 12. Jahrhundert der Einladung von Albrecht dem Bären, Markgraf von Brandenburg, und Bischof Wiechmann von Magdeburg folgten, eine  sumpfige Gegend um Jüterbog urbar zu machen.


Die aus den „Niederen Landen“ an der Nordsee in großen Gruppen gen Osten zogen, hatten in ihrer Heimat durch Sturmfluten Besitz und Land verloren und hörten nun den Ruf: „Kommt her, ihr Franken und Flamländer, hier könnt ihr herrliches Wohnland erlangen!“ Sie brachten ihre Erfahrungen als Bauern und Handwerker mit, legten Sümpfe trocken, bohrten Brunnen, bauten Deiche. Mit ihnen kam auch das Christentum ins Land.

Eine Vielzahl von Feldsteinkirchen zeugt von der Christianisierung einer Region, die später nach den Flamen „Fläming“ benannt wurde. Für die meist im Stil der Romanik errichteten Gotteshäuser nutzten die Flamen Granitsteine, die sie in Feld und Flur fanden. Versierte Steinmetze bearbeiteten diese zu Quadern von erstaunlicher Perfektion. Ansonsten zeichnen sich die von den flämischen Einwanderern errichteten Gotteshäuser durch ihre Schlichtheit aus.

 

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